Aktiv im Rollstuhl: Finde deinen Rollstuhlsport
Auspowern bis die Arme brennen, der Rausch der Geschwindigkeit auf dem Asphalt oder das gemeinsame Feiern nach einem Derbysieg: Rollstuhlsport ist weit mehr als nur ein bisschen Bewegung als Ausgleich. Er ist der Schlüssel zu mehr Kraft im Alltag, mentaler Stärke und einer genialen Community. Egal, ob du als Teamsportler glänzen willst, die Einsamkeit auf der Langstrecke suchst oder ein Auge für Präzision hast – das Angebot im Jahr 2026 ist riesig. Ich habe in meiner Laufbahn selbst schon verschiedene Sportarten getestet und zeige dir in diesem Überblick, wie auch du deinen perfekten Rollstuhlsport findest.
Teamsport-Klassiker: Basketball und Rugby
Vielen Menschen bekannt und schon lange etabliert sind verschiedene Teamsportarten, welche im Rollstuhl gespielt werden können. Dazu gehören insbesondere Rugby und Basketball. Auch ich habe in der Vergangenheit bereits Rollstuhlbasketball ausprobiert. Die Teams beim Rollstuhlbasketball sind so aufgebaut, dass Menschen mit und ohne Behinderung völlig gleichberechtigt zusammenspielen können. Damit es absolut fair bleibt, gibt es ein ausgeklügeltes Punktesystem: Jeder Spieler wird je nach Grad seiner Rumpfmobilität mit Punkten von 1,0 bis 4,5 klassifiziert. Die fünf Spieler, die zeitgleich auf dem Feld stehen, dürfen zusammen eine bestimmte Gesamtpunktzahl nicht überschreiten. Ich habe selbst schon Basketball ausprobiert und kann dir sagen: Die Dynamik, das Tempo und die harten, aber fairen Rollstuhl-Crashs machen diesen Sport zu einem absoluten Adrenalinkick.
In ganz Deutschland gibt es die verschiedensten Teams, sodass es im Basketball sogar verschiedene Ligen gibt, wo sich die Mannschaften miteinander messen können. Je höher man in den Ligen aufsteigt, umso professioneller wird der Sport. Insbesondere für Basketball und Rugby werden spezielle Sportrollstühle benötigt, um den Sport entsprechend sinnvoll und nachhaltig zu betreiben. Für viele Vereine ist dies oft ein hoher Kostenfaktor, sodass diese Sportarten stets auf Sponsoren und Unterstützer angewiesen sind. Besonders im Breitensport ist dies nicht immer einfach und unproblematisch umzusetzen.
Ausdauer und Natur: Handbiking & Rennrollstuhl
Wenn du lieber direkt etwas für dich machen magst und dein Sportgerät der Rollstuhl sein soll, dann wäre vielleicht der Rennrollstuhl etwas für dich. Diese Rollstühle sind besonders leicht und aerodynamisch geschnitten, sodass du mit diesen Sportgeräten schnell fahren kannst. Aus Sicherheitsgründen ist bei diesen Rollstühlen der Radsturz eher hoch, damit nicht zur Seite gekippt werden kann. Mit einem Rennrollstuhl lassen sich hohe Geschwindigkeiten erreichen. Bis es aber soweit ist, ist in der Regel viel Training angesagt.
Bei Rollstuhlfahrern sehr beliebt ist das Handbiking. Auch ich habe einige Jahre lang ein Handbike gehabt. Es gibt in dieser Disziplin verschiedene Modelle von unterschiedlichen Herstellern. Für den Hobbybereich gibt es Modelle, welche als Vorspannbike direkt an den Rollstuhl montiert werden können. Du kannst dich somit sportlich an der frischen Luft betätigen und je nach Ausdauer lange Touren unternehmen. Professionelle Bikes sind oft Liegeräder, welche dann auch in Wettkämpfen eingesetzt werden und wie bei Sportrollstühlen hohe Geschwindigkeiten erreichen können.
Präzision und Technik: Tennis und Fechten
Ebenfalls beliebt als Sportarten sind Fechten und Tennis. Besonders Rollstuhlfechten ist ein echter, faszinierender Geheimtipp. Das Besondere daran: Entgegen der ersten Vermutung wird hier während des Gefechts nicht gerollt. Die Sportrollstühle werden in einem exakt ausgemessenen Abstand in einer speziellen Vorrichtung bombenfest am Hallenboden verankert. Gefochten wird ausschließlich mit dem Oberkörper – das erfordert eine extreme Rumpfspannung, blitzschnelle Reflexe und pure Präzision mit Florett, Degen oder Säbel. Da es ein Nischensport ist, musst du eventuell etwas nach einem passenden Verein suchen, aber das Reinschnuppern lohnt sich definitiv.
Rollstuhltennis ist da schon etwas bekannter. In der Vergangenheit habe auch ich schon Tennis gespielt. Neben Kraft wird auch Schnelligkeit, gute Koordination und etwas Geschick benötigt. Meiner Meinung nach ist Tennis ein schöner Sport, um den gesamten Körper zu trainieren und gleichzeitig noch Konzentration und Motorik zu schulen. Das Pendant zum Tennis ist natürlich Tischtennis. Hier sind die Anforderungen ähnlich.
Einstieg finden: Vereine & Schnuppertage
Wenn du dir noch nicht ganz sicher bist, dann solltest du die favorisierte Sportart vielleicht erst einmal ausprobieren. Viele Vereine bieten Schnuppertage oder Schnuppertrainings an. Du kannst dort einfach und unkompliziert ausprobieren, ob die jeweilige Sportart für deine individuellen Ansprüche passend ist oder nicht. Speziell bei Sportarten, wo kostenintensive Sportgeräte wie Sportrollstühle benötigt werden, ist ein solches Probetraining sinnvoll.
Viele Vereine bieten solche Schnuppertage in regelmäßigen Abständen an. Du solltest dich vorher informieren, wo es den nächsten Verein für den gewünschten Sport in deiner Nähe gibt. Behilflich ist auch hier das Internet. Dort gibt es meist Auflistungen von Vereinen in den unterschiedlichen Sportarten. Informationen zu eventuellen Vereinen und den verschiedenen Sportarten findest du auch auf der Seite des Behindertensportbundes.
Gesundheitliche Vorteile von Bewegung
Als Rollstuhlfahrer Sport zu treiben hat verschiedenste Bewandtnisse und Vorteile. Zum einen hast du ein Hobby, mit dem du mit anderen Menschen, vielleicht sogar Gleichgesinnten zusammenkommst und dich austauschen kannst. Das kann positive Vibes für dein gesamtes Leben bieten. Ein weiterer Vorteil ist, dass du dich bewegst. Für nahezu jeden Körper ist Bewegung gut, auch für Rollstuhlfahrer.
Natürlich solltest du es nicht übertreiben und Sport nur im Rahmen deiner Behinderung betreiben. Du musst nicht zwingend zum Leistungssportler werden. Beim Sport in der Freizeit stehen in erster Linie der Spaß und die Bewegung an erster Stelle. Jeder Millimeter Muskelmasse in den Armen, Schultern und im oberen Rücken erleichtert dir den Alltag im Rollstuhl massiv. Ob das Umsetzen ins Auto, das Überwinden einer steilen Rampe oder einfach das Ausdauer-Rollen beim Einkaufen: Ein trainierter Oberkörper schützt deine Gelenke vor frühzeitigem Verschleiß. Sport im Rollstuhl ist also die beste und spaßigste Medizin, um deine Selbstständigkeit langfristig zu sichern.
Fazit: Sport verbindet und stärkt
Da ich in der Vergangenheit bereits verschiedene Sportarten ausprobiert habe, kann ich behaupten, dass Sport nicht nur gut für den Körper ist, sondern auch für den Geist und das Selbstwertgefühl. Ich habe über den Sport viele nette Menschen kennengelernt und Freunde gefunden. Deshalb ist Sport für mich in vielerlei Hinsicht enorm wichtig und eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, welche einfach gut tut.
Im besten Fall bist du in der jeweiligen Sportart ein echtes Naturtalent und findest auch großen Spaß daran. In diesem Fall steht es dir natürlich offen, den Sport immer professioneller zu betreiben und wer weiß, vielleicht schaffst du es ja bis an die Spitze und wirst zum echten Profisportler. Es muss ja nicht gleich die Goldmedaille bei den Paralympics sein – der Spaß an der Bewegung und das Abschalten vom Alltag stehen an erster Stelle. Schnapp dir das Telefon, kontaktiere den Behindertensportverband deines Bundeslandes oder schau bei lokalen Vereinen vorbei. Die meisten Clubs stellen für die ersten Schnuppertrainings sogar kostenlos vereinseigene Sportrollstühle zur Verfügung, damit du dich ohne finanzielles Risiko ausprobieren kannst.
Jetzt bist du dran: Bist du bereits im Verein aktiv oder zieht es dich eher als Individualsportler mit dem Handbike nach draußen? Welche Sportart würdest du gerne mal ausprobieren? Schreib es mir unbedingt in die Kommentare!
