aktiv oder e rollstuhl

Aktiv- oder E-Rollstuhl? Die Entscheidungshilfe

Wer vor der Entscheidung steht, den ersten Rollstuhl zu beantragen, landet unweigerlich bei der Frage: Aktiv- oder E-Rollstuhl? Die Wahl bestimmt nicht nur, wie viel Kraft du im Alltag brauchst, sondern auch, wie du wohnst und dein Auto umbauen musst. Dieser Ratgeber hilft dir sachlich bei der Entscheidung.

Der Aktivrollstuhl: Unabhängigkeit durch Eigenkraft

Zunächst möchte ich mich dem Aktivrollstuhl widmen. Wie der Name bereits aussagt, musst du bei diesen Modellen selbst aktiv werden, um voranzukommen. Kurz gesagt: Es ist eigene Muskelkraft gefragt, um den Rollstuhl zu bewegen.

Moderne Aktivrollstühle sind so gestaltet, dass diese relativ leicht sind, wodurch ein Vorankommen einfacher möglich ist. Dennoch bleibt ein gewisser Kraftaufwand notwendig, um Fahrt aufzunehmen. Dies gilt besonders bei Steigungen oder gar Bergen.

Aktivrollstühle werden von den unterschiedlichsten Herstellern angeboten. Je nach Wunsch gibt es verschiedenste Ausstattungen, sodass ein Aktivmodell individuell auf deine eigenen Bedürfnisse abgestimmt werden kann.

Das Gute an einem Aktivrollstuhl ist, dass dadurch deine motorischen Fähigkeiten und die Muskeln trainiert werden. Dies ist aber nur dann sinnvoll, wenn deine Kraft dafür auch dauerhaft ausreicht. Ein Aktivrollstuhl verfügt natürlich ebenfalls über Schiebegriffe, sodass dieser auch geschoben werden kann.

Entgegen einfachen Handrollstühlen sind bei einem Aktivrollstuhl die Seitenteile niedriger. Dadurch wird es ermöglicht, dass du dich aktiv fortbewegen kannst.

Der Elektrorollstuhl: Reichweite und Komfort

Das Gegenteil zum Aktivmodell ist der E-Rollstuhl, auch Elektrorollstuhl genannt. Auch in diesem Bereich gibt es viele Hersteller, welche die unterschiedlichsten Modelle am Markt anbieten.

Elektrorollstühle sind für Menschen geeignet, die sich aus eigener Kraft nicht selbstständig fortbewegen können. Ein E-Rollstuhl wird meist mittels eines Joysticks gesteuert. In diesem Fall sind motorische Fähigkeiten in deiner Hand gefragt.

Ein Nachteil von E-Rollstühlen ist zweifelsohne das Gewicht. In den Modellen ist ein Elektromotor, eine Steuereinheit und ein Akku verbaut. All diese Dinge erschweren die Modelle, sodass diese mit reiner Muskelkraft kaum bewegt werden können. Auch beim Transport ist ein E-Rollstuhl schwieriger zu handhaben als ein normaler Handrollstuhl oder Aktivrollstuhl.

Hybride Lösungen: Falt-Rollstühle mit E-Antrieb

Mittlerweile gibt es am Markt auch noch andere Lösungen. Einige Hersteller bieten sogenannte hybride Lösungen an. Bei diesen Modellen wird quasi das Beste aus beiden Welten vereint. Ein Aktivrollstuhl kann dadurch einfacher und unkomplizierter bewegt werden.

Dennoch ist er nicht so schwer wie ein herkömmlicher Elektrorollstuhl. Zudem kann ein solches Modell gut transportiert werden. Es gibt nämlich auch Falt-Rollstühle mit einem solchen E-Antrieb. Besonders bekannt sollte in diesem Zusammenhang das e-fix Prinzip sein.

Bei diesen Modellen befindet sich im großen Antriebsrad eine Einheit, welche die Muskelkraft verstärkt. In dem Rad ist ein kleiner Elektromotor verbaut. Das hat zur Folge, dass die manuelle Fortbewegung einfacher und unkomplizierter möglich wird.

Die Räder sind auch in diesem Fall mit sogenannten Steckachsen am Rollstuhl angebracht. Durch die integrierten Steckachsen lassen sich die schweren Antriebsräder mit einem Handgriff abnehmen. Das reduziert das Ladegewicht enorm, sodass der Rollstuhl auch in einen normalen Kofferraum passt.

Der Hersteller hat dadurch ein System geschaffen, welches vielseitig einsetzbar und nutzbar ist. Ein Aktivrollstuhl kann dadurch auch über große Strecken unkompliziert und leicht bewegt werden.

Entscheidungskriterien: Wohnsituation & Kraft

Welches Fortbewegungsmittel im individuellen Fall am besten ist, hängt von vielen Faktoren ab. In erster Linie ist es eine Frage der Kraft, welche Art von Rollstuhl infrage kommt.

Wenn du eher viel Kraft besitzt und aktiv bist, dann ist für dich ein Aktivrollstuhl wohl die beste Lösung. Wenn du damit oft lange Strecken zurücklegst, dann solltest du zusätzlich über ein hybrides System an deinem Aktivrollstuhl nachdenken.

Um möglichst flexibel zu sein, empfehle ich einen Faltrollstuhl. Dieser kann einfach und unkompliziert verladen werden, sodass dieser auch schnell an anderen Orten oder auch auf Reisen optimal genutzt werden kann.

Wenn du hingegen eher wenig Kraft hast und auf Unterstützung angewiesen bist, dann ist ein E-Rollstuhl für dich wohl die beste Wahl. Mittlerweile gibt es auch an diesem Markt Modelle, welche zum einen flott unterwegs sind und zum anderen auch optisch sehr ansprechend sind.

In erster Linie ist aber wichtig, dass du sicher und zuverlässig von A nach B kommst. Mit einem E-Rollstuhl ist dies generell möglich, auch wenn der Transport des Rollstuhls selbst eher schwierig werden kann. Neben der Kraft sollte auch deine eigene Wohnsituation betrachtet werden.

Wenn du eher einen engen Wohnraum hast, dann ist ein wendiger Aktivrollstuhl oft besser als ein Elektrorollstuhl, der in der Regel einen größeren Wendekreis hat. Zudem sind Treppen für Elektrorollstühle eher schwierig. In diesem Fall sollte am besten ein Fahrstuhl in der Nähe sein. Ein normaler Aktivrollstuhl lässt sich fast auf der Stelle drehen. Ein E-Rollstuhl braucht je nach Achsantrieb (Mittel- oder Frontantrieb) deutlich mehr Platz. Miss deine Türrahmen und Fluren engen Winkeln vor der Beantragung unbedingt aus

Es kommt aber nicht nur auf deine eigene Wohnung an, sondern auch auf dein Wohnumfeld. Speziell dann, wenn du immer weite Wege zurücklegen musst, kannst du mit einem Aktivrollstuhl schnell an deine Grenzen kommen.

Wenn hingegen das Umfeld wenig rollstuhlgerecht ist, dann können selbst kleine Ausflüge mit einem Elektrorollstuhl schwierig werden. All das gilt es zu bedenken.

Die Rolle des Sanitätshauses bei der Erprobung

Bevor du dich für ein Modell entscheidest, solltest du dich in dem Sanitätshaus deines Vertrauens beraten lassen. Die Fachleute vor Ort können dich gut beraten und dir gegebenenfalls bei der Entscheidung behilflich sein.

In Sanitätshäusern besteht zudem oft die Möglichkeit, die verschiedenen Modelle auszuprobieren. Ein gutes Sanitätshaus macht es möglich, dass du die gewünschten Modelle direkt in deinem Wohnumfeld testen kannst. Somit kannst du selbst herausfinden, welches Modell für dich ganz persönlich am besten ist.

Ich persönlich halte eine solche Erprobung speziell für Menschen, die noch nicht genau wissen, welche Variante im individuellen Fall die beste ist, für sehr wichtig. Dadurch kannst du selbst herausfinden, was für dich am besten ist.

Fazit: Warum Probefahren wichtig ist

Die Wahl von Aktivrollstuhl und E-Rollstuhl ist nicht in jedem Fall immer einfach. Je nach Behinderung können sich die Bedingungen im Laufe der Zeit auch verändern. Deshalb ist es wichtig, immer zu wissen, welche Möglichkeiten es gibt.

Im Zweifelsfall solltest du die unterschiedlichen Modelle probefahren. Nur so kannst du herausfinden, mit welchem Rollstuhl du selbst zurechtkommst. Und nur darum geht es. Eine Probefahrt ist also nicht nur beim Auto wichtig, sondern auch beim Rollstuhl. Wenn du allgemeine Fragen zum Thema hast oder vielleicht mit deinem Widerspruch nicht weiter kommst, kann ich dir vielleicht wertvolle Tipps für deine individuelle Situation geben. Schreibe mir dazu gern eine Nachricht.

Du solltest genau testen, ob dir das jeweilige Modell wirklich liegt. Mit deinem Sanitätshaus kann der jeweilige Rollstuhl dann individuell noch an deine Bedürfnisse angepasst werden. Somit bekommst du einen wertvollen Alltagsbegleiter, welcher dir wieder ein großes Stück an Mobilität gibt.

Ein Rollstuhl, egal welcher Art, ist der Ersatz für deine Beine. Dementsprechend wichtig ist ein solches Hilfsmittel. Du solltest dich in deinem neuen Fortbewegungsmittel wohlfühlen und es gut beherrschen können.

Im Zweifelsfall kann es sinnvoll sein, ein Mobilitätstraining zu absolvieren. Dort lernst du genau, wie du mit deinem Rollstuhl umgehen kannst und lernst auch die Grenzen kennen. Für die Fortbewegung im Alltag kann dies sehr nützlich sein. Angeboten werden solche Trainings von Behindertenverbänden und anderen sozialen Einrichtungen, sicherlich auch in deiner Nähe.

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