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Ergonomie im Homeoffice: Rollstuhlgerecht arbeiten

Kein stressiges Pendeln im Berufsverkehr, keine unpassierbaren Bordsteinkanten auf dem Arbeitsweg und ein barrierefreies WC in direkter Reichweite: Das Homeoffice ist für viele Rollstuhlfahrer der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Berufsleben – egal ob im Angestelltenverhältnis oder wie bei mir in der Selbstständigkeit. Damit das Arbeiten von zu Hause aus auf Dauer nicht auf die Knochen geht, muss der Arbeitsplatz ergonomisch perfekt auf deine Bedürfnisse im Sitzen abgestimmt sein. Dieser Ratgeber zeigt dir, worauf es ankommt.

Der Schreibtisch: Unterfahrbarkeit & Höhe

Um im Homeoffice produktiv und gesundheitsschonend arbeiten zu können, sollten einige Dinge beachtet werden. Der Schreibtisch ist in diesem Fall eines der Hauptkriterien. Das Möbelstück sollte optimal abgestimmt sein, damit du als Rollstuhlfahrer ordentlich daran arbeiten kannst.

Beim perfekten Schreibtisch entscheiden Zentimeter über Ergonomie oder chronische Nackenschmerzen. Als Orientierung für Wohn- und Arbeitsräume gilt die DIN 18040-2. Für uns Rollstuhlfahrer bedeutet das in der Praxis zwei entscheidende Kriterien:

  1. Die Unterfahrbarkeit: Die lichte Höhe unter der Tischplatte muss mindestens 65 cm (besser 70 cm, je nach Höhe deiner Armlehnen) betragen, bei einer lichten Breite von mindestens 90 cm. Nur so kannst du mit den Knien tief genug unter die Platte rollen, um eine gerade, gesunde Sitzposition einzunehmen.
  2. Die Höhenverstellbarkeit: Starre Tische sind im Rollstuhl tabu. Die ideale Lösung ist ein elektrisch höhenverstellbarer Sitz-Steh-Tisch. Dadurch kannst du die Tischplatte exakt so tief einstellen, dass deine Unterarme im 90-Grad-Winkel locker aufliegen, ohne dass deine Schultern nach oben gestaucht werden. Als positiver Nebeneffekt erleichtert das stufenlose Hochfahren das Heranrollen mit dem Rollstuhl ungemein.

Sitzdynamik: Haltungswechsel im Rollstuhl

Neben dem richtigen Tisch ist im Homeoffice auch die Sitzhaltung von großer Bedeutung, um Rückenschmerzen zu vermeiden. Gerade im Rollstuhl kann es bei langem Sitzen in der gleichen Position passieren, dass Verspannungen oder andere Probleme aufkommen.

Um dies zu verhindern, ist es wichtig, die Sitzhaltung im Rollstuhl immer wieder zu verändern. Ein solcher Haltungswechsel sollte regelmäßig in kurzen zeitlichen Abständen durchgeführt werden, um die Druckbelastung etwas zu variieren. Generell hat dies in erster Linie nichts mit der Ausstattung am Arbeitsplatz zu tun, sondern viel mehr mit deinem Rollstuhl selbst.

Im Gegensatz zu Fußgängern können wir im Homeoffice nicht einfach aufstehen und eine Runde herumlaufen. Umso wichtiger ist die Entlastung, um schmerzhaften Verspannungen und vor allem einem gefährlichen Dekubitus (Druckgeschwür) vorzubeugen. Stelle dir alle 60 Minuten einen Timer für eine kurze „Druckentlastungs-Pause“: Nutze die Neigefunktion deines Rollstuhls (Kantelung), stütze dich – falls möglich – für einige Sekunden auf den Armlehnen hoch oder lehne den Oberkörper weit nach vorne auf die Oberschenkel, um das Gesäß komplett zu entlasten.

Gadgets: Monitorarme, Tastaturen & Maushilfen

Um dir die Arbeit im Homeoffice so angenehm wie möglich zu gestalten, gibt es verschiedene praktische Hilfsmittel, welche dir den Alltag in deinem Büro zu Hause erleichtern können.

Beginnen möchte ich mit Monitorarmen. Mit einer solchen Halterung ist es dir möglich, deinen Bildschirm flexibel zu bewegen und an die für dich passende Stelle zu drehen. Diese Modelle gibt es in verschiedenen Ausführungen, sodass für jeden Monitor eine Lösung dabei sein sollte. Ebenfalls wichtig bei der Büroarbeit ist die Tastatur. Diese sollte ergonomisch geformt sein, sodass du dadurch unbeschwert tippen kannst. Mittlerweile werden solche Tastaturen von vielen Herstellern angeboten. Zusätzlich gibt es spezielle Aufsätze, welche die Bedienung bei motorischen Einschränkungen erleichtern.

Besonders Menschen mit Einschränkungen der Feinmotorik fällt es oft schwer, eine Maus präzise zu führen. In diesem Fall gibt es spezielle Maushilfen, welche an oder um das Gerät angebracht werden können. Dadurch können auch Anwender mit Handicap eine Maus sicher und punktgenau steuern.

Mittlerweile gibt es am Markt vieler solcher barrierefreier Eingabegeräte, sodass sicherlich für jeden Bedarf etwas dabei ist. Viele Hersteller haben sich auf die Entwicklung und Herstellung solcher Produkte spezialisiert.

Beleuchtung und Raumklima

Wie in jedem Büro spielen auch die Beleuchtung und das Raumklima eine wichtige Rolle, um fokussiert arbeiten zu können. Zunächst ist es wichtig, dass beide Faktoren für dich angenehm eingestellt sind. Beim Raumklima ist meist eine Temperatur von etwa 20 °C sinnvoll und passend.

Bei der Beleuchtung sollte im Optimalfall eine Mischung aus Tageslicht und künstlichem Licht herrschen. Bei der Auswahl der Leuchtmittel solltest du dich an professionellen Büroleuchten orientieren. Experten empfehlen in diesem Fall sogenanntes kaltweißes Licht mit 4.000 bis 6.500 Kelvin. Dies fördert die Konzentration und ist somit für den Arbeitsbereich optimal geeignet. Welche Leuchte in deinem Homeoffice am Ende passend ist, kommt auch auf deinen individuellen Geschmack und deine Platzverhältnisse an. Auf jeden Fall sollte dich die Beleuchtung nicht blenden, sondern gezielt auf den Arbeitsbereich gerichtet sein.

Steuerliche Absetzbarkeit von Arbeitsmitteln

Egal ob selbstständig oder angestellt: Deine ergonomischen Arbeitsmittel kannst du steuerlich geltend machen. Für Computer-Hardware (PC, Laptop, Monitor) und Software gilt eine steuerliche Sonderregel: Diese Wirtschaftsgüter können seit einigen Jahren unabhängig von ihrem Anschaffungspreis im Jahr des Kaufs zu 100 % sofort abgeschrieben werden. Typische Büromöbel wie der höhenverstellbare Schreibtisch gelten als Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) und können bis zu einer Grenze von 800 Euro netto (952 Euro brutto) ebenfalls sofort im selben Jahr als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgesetzt werden. Liegt der Tisch darüber, wird er über die reguläre Nutzungsdauer von 13 Jahren abgeschrieben. Angestellte sollten beachten, dass sich das detaillierte Auflisten der Belege erst lohnt, wenn man den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von aktuell 1.230 Euro im Jahr überschreitet.

Fazit: Produktives Umfeld gestalten

Wenn du im Homeoffice arbeitest oder arbeiten möchtest, so kannst du dir dein eigenes produktives Umfeld gestalten. In erster Linie solltest du dich selbst in deinem Büro wohlfühlen. Ein barrierefreies Homeoffice bietet dir die Chance, deinen Arbeitsplatz ohne Kompromisse an deinen Körper anzupassen – ein Luxus, den Standard-Büros in Firmen selten bieten. Nutze diese Flexibilität, um dir mit dem passenden Tisch und ergonomischen Eingabehilfen eine produktive und vor allem gesundheitsschonende Arbeitsumgebung aufzubauen.

Die Arbeit im Homeoffice kann sowohl im Angestelltenverhältnis als auch als Selbstständiger eine sehr gute Lösung sein. Du bist in deinem vertrauten Umfeld und kannst deinen Arbeitsplatz so einrichten, wie es für dich benötigt wird. Im Büro in der Firma ist dies nicht immer so einfach und reibungslos möglich.

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