Flugreise mit Rollstuhl: Tipps für entspanntes Reisen
Einfach Last-Minute ein Ticket buchen, Handgepäck packen und ab in den Flieger? Für Rollstuhlfahrer ist das Utopie. Eine Flugreise mit Hilfsmittel gleicht einem logistischen Großprojekt, bei dem jeder Schritt von der Buchung bis zur Landung exakt durchgetaktet sein muss. Dieser Ratgeber führt dich sachlich durch den Bürokratie-Dschungel der Airlines, erklärt die internationalen Flughafen-Codes und zeigt dir, wie du dein Recht bei Beschädigungen durchsetzt.
Buchung: Hilfsmittel & Sonderservice (WCHC/R)
Für Rollstuhlfahrer gibt es direkt bei der Buchung eines Urlaubs mit Flug einiges zu beachten. Du solltest am besten direkt bei der Buchung angeben, dass du im Rollstuhl sitzt und entsprechend auf Hilfe angewiesen bist. Je eher und detaillierter die Fluggesellschaft davon weiß, umso besser und einfacher ist es in der Regel. Im besten Fall kannst du genaue Angaben wie Maße und andere Dinge machen. Speziell für E-Rollstühle gibt es gesonderte Regeln, auf welche ich gleich noch genauer eingehe. In der Regel werden Rollstühle kostenfrei transportiert.
Ebenfalls bei der Buchung solltest du unbedingt den Sonderservice buchen oder angeben. Unter dem sogenannten Sonderservice wird in der Regel der Transfer bis auf deinen Platz im Flugzeug verstanden. In diesem Zusammenhang gibt es drei Varianten aus denen du wählen kannst und die du möglichst früh angeben solltest:
- WCHR (Ramp): Ist für Fluggäste geeignet, welche in der Lage sind, Treppen zu steigen.
- WCHS (Steps): Diese Kategorie bedeutet, dass du keine Treppen steigen kannst und auch dabei Hilfe benötigst.
- WCHC (Cabin seat): Dieser Service sollte von Menschen gebucht werden, die Hilfe bis an den Sitzplatz des Flugzeugs benötigen.
Für die jeweiligen Fluggesellschaften bzw. das Bodenpersonal vor Ort am Flughafen sind möglichst viele Details wichtig. Wenn du also zusätzlich noch besondere Einschränkungen hast, auf welche geachtet werden sollte, dann versuche das möglichst frühzeitig mitzuteilen und im besten Fall individuell mit der Airline abzuklären.
Batterieregeln für E-Rollstühle (Li-Ion & Gel)
Wenn du auf einen Elektrorollstuhl angewiesen bist, dann gelten zusätzliche Bestimmungen. In diesem Fall ist nicht nur das Gewicht und die Größe deines Rollstuhl wichtig, sondern besonders auch die Art der Akkus, welche in deinem E-Rollstuhl verbaut sind. Für den Transport ist diese von großer Bedeutung. solltest. Hier gelten die strengen IATA-Gefahrgutvorschriften, die jede Airline knallhart kontrolliert. Der Akku-Typ entscheidet über den Ablauf:
- Lithium-Ionen-Akkus: Hier liegt die Grenze für fest verbaute Akkus meist bei maximal 300 Wh (Wattstunden). Ist der Akku entnehmbar, muss er zwingend ausgebaut und als Handgepäck mit in die Kabine genommen werden. Zudem musst du das offizielle UN 38.3 Transportzertifikat des Herstellers beim Check-in vorlegen können. Ohne dieses Dokument verweigern die Airlines die Mitnahme.
- Nassbatterien (Säure): Werden wegen Auslaufgefahr fast nie transportiert.
- Gel- / AGM-Batterien: Gelten als absolut auslaufsicher (non-spillable). Sie müssen fest am Rollstuhl montiert bleiben, die Pole müssen isoliert (abgeklebt) und der Antrieb elektrisch entkoppelt sein (Freilauf raus). Sie reisen im Frachtraum.
Am Flughafen: Priority Check-in & Assistenz
Wenn der Tag der Reise gekommen ist, dann geht es zunächst direkt an den Flughafen und um den Check in. Da Rollstuhlfahrer, vorher den besagten Extra Service gebucht haben, besteht hier die Möglichkeit, des sogenannten Priority Check-In. In diesem Fall kommst du oft an einen Extra Schalter, wo die Sicherheitskontrolle und alle anderen erforderlichen Dinge durchgeführt werden. Dieser Bereich ist barrierefrei, sodass du diesen gut mit deinen Rollstuhl befahren kannst. Danach geht es dann wieder in Richtung Gate und Flugzeug. Rollstuhlfahrer sind in der Regel mit die ersten die an Bord eines Flugzeugs gebracht werden, oft aber auch die letzten die nach Ankunft wieder von Bord gehen.
Wie bereits erwähnt steht dir am Flughafen eine Assistenz zur Verfügung. Diese begleitet dich am Flughafen durch alle wichtigen Bereiche. Je nach gebuchten Umfang unterstützt dich die Assistenz bis in das Flugzeug. Du solltest der Assistenz vor Ort nochmals genau sagen, was du alles benötigst und wie du alles gerne hättest. In diesem Fall ist Kommunikation wichtig, um Missverständnisse und entsprechende Fehler unbedingt zu vermeiden.
An Bord: Umsetzen & Bord-Rollstuhl
Nach dem eigentlichen Check In geht es weiter direkt ins Flugzeug. Diese Reise kann also fast beginnen. Im Flugzeug selbst ist es oft sehr eng. Mit deinem normalen Rollstuhl ist dort kein Durchkommen. Deshalb musst du dich vor dem Einchecken ins Flugzeug in einen gesonderten Rollstuhl umsetzen. Auch hier kann dir die Assistenz wieder behilflich sein. Mit diesem Rollstuhl wirst du dann ins Flugzeug gebracht und bis an deinen Sitzplatz transportiert. Dort musst du dich erneut umsetzen, auf den Sitzplatz im Flugzeug. In der Regel ist es so, dass Rollstuhlfahrer einen Platz am Fenster bekommen, sodass du dich so entsprechend umsetzen kannst.
Für den Gang zur Toilette gilt: Auf Kurzstreckenflügen (kleine Maschinen) gibt es meist keinen Bordrollstuhl und die Toiletten sind zu eng. Hier solltest du direkt vor dem Boarding die barrierefreie Toilette am Flughafen nutzen. Auf Langstreckenflügen (Großraumflugzeuge mit zwei Gängen) sind die Airlines jedoch gesetzlich verpflichtet, einen schmalen Bord-Rollstuhl mitzuführen, mit dem dich die Flugbegleiter bis zur Flugzeugtoilette schieben können. Kläre diesen Punkt unbedingt vor der Buchung schriftlich mit der Airline ab.
Schadensfall: Wenn der Rolli beschädigt ankommt
Nachdem du eingecheckt hast, wird auch dein Rollstuhl verladen. Dieser reist wie andere Gepäckstücke normal im Gepäckraum des Flugzeug. Meist bekommt er jedoch eine Kennung als „Priority“ sodass dieser als erstes wieder entladen wird und eine gewisse Sorgfalt besteht. Dennoch kann es passieren, dass auf dem Flug dein Rollstuhl zu Schaden kommt. Wie verhältst du dich nun also richtig? Zunächst solltest du Ruhe bewahren, obwohl dies ein wirklich sehr unschöner Moment ist, und alles andere als optimal ist. Du solltest den Schaden noch direkt am Flughafen melden und der Airline anzeigen. Das ist absolute Grundvoraussetzung, um irgendwelche Ersatzansprüche zu erhalten.
Nachdem du den Schaden angezeigt hast, wird in der Regel versucht mit dir gemeinsam eine Lösung zu finden. Nach der EU-Verordnung 1107/2006 sind die Airlines dazu verpflichtet, für Schäden an Mobilitätshilfen aufzukommen. Es besteht in der Regel die Möglichkeit, den Rollstuhl bei kleineren Schäden direkt vor Ort reparieren zu lassen. Falls dies nicht möglich sein sollte, dann solltest du unbedingt auf einen gleichwertigen Ersatz bestehen. Die Airline muss dann direkt am Flughafen versuchen, dir einen gleichwertigen Rollstuhl zu beschaffen, mit denen du erstens zurecht kommst und zweitens deine Reise fortsetzen kannst. Du sollest in diesem Fall kooperativ sein und versuchen gemeinsam mit der Airline nach einer für alle passenden Lösung zu suchen.
Fazit: Reisefertig durch Vorbereitung
Eine Reise mit dem Flugzeug ist nicht nur ein Erlebnis, sondern kann durchaus auch kompliziert werden. Deshalb ist es ratsam, sich im Voraus so genau wie möglich zu informieren. Am besten nimmst du möglichst Frühzeitig mit der Airline Kontakt auf, um das Vorgehen am Abflugtag möglichst genau zu planen. Da man aber nicht alles planen und vorhersehen kann, solltest du Vorkehrungen treffen. Im besten Fall bist du für den Flug so gut wie möglich vorbereitet und kannst möglichst viele Dinge selber erledigen. Vor Ort am Flughafen hilft dir aber auch eine Assistenz. Diese Menschen haben oft viel Erfahrungen, sodass sie dich sicher bis in Flugzeug begleiten können. Wichtig ist in diesem Fall, die Kommunikation mit der Assistenz. Du solltest genau kommunizieren können, was du möchtest, und was nicht möglich ist. Gemeinsam kann dann eine individuelle Lösung gefunden werden. Meist werden im Voraus Formulare verteilt, welche du gewissenhaft ausfüllen solltest. Speziell bei E-Rollstühlen besteht besonders große Vorsicht und Informationsauskunft. Im Zweifelsfall solltest du auch dein Sanitätshaus kontaktieren, um eventuelle Informationen zu deinem Modell von Rollstuhl zu bekommen, welche für den Flug relevant sind. Planung und eine entsprechend gute Vorbereitung ist also bei einer Flugreise für jeden Rollstuhlfahrer von großer Bedeutung.
Dieser Leitfaden basiert auf den aktuellen gesetzlichen EU-Vorgaben, den internationalen IATA-Richtlinien sowie den gesammelten Praxiserfahrungen aus der Rollstuhl-Community. Da sich die Bestimmungen der einzelnen Fluggesellschaften kurzfristig ändern können, ist eine individuelle Bestätigung deiner Airline das wichtigste Dokument für deine Reise. Wenn du Fragen zum Thema hast, schreibe mir gerne eine Nachricht oder lasse einen Kommentar hier. Ich versuche gern, dir diese zu beantworten
