mobile rollstuhlrampen

Mobile Rollstuhlrampen: Hürden einfach überwinden

Die zwei Stufen vor beim Lieblingsbäcker, die Schwelle zur Terrasse oder der Einstieg in den eigenen Hauseingang: Für uns Rollstuhlfahrer kann eine Kante von wenigen Zentimetern das abrupte Ende der Reise bedeuten. Fest verbaute Betonrampen sind teuer und oft gar nicht genehmigungsfähig. Die Rettung im Alltag sind mobile Rollstuhlrampen. Doch Kofferrampe ist nicht gleich Teleskopschiene, und beim Material gibt es massive Unterschiede bei Gewicht und Sicherheit. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du die richtige Rampenlänge für dein Zuhause ermittelst und wie die Krankenkasse den Alltagshelfer komplett bezahlt.

Teleskop-, Koffer- & Flächenrampen im Vergleich

Am Markt haben sich mittlerweile verschiedene Arten von Rampen etabliert. Im Folgenden möchte ich die gängigsten und beliebtesten Arten von Rampen kurz näher erläutern.

  • Teleskoprampen: Zunächst gibt es die Teleskoprampen. Diese sind relativ schmal und können ausgezogen werden. Sie bestehen aus zwei Teilen, sodass jeweils für eine Seite des Rollstuhls eine Schiene benötigt wird. Diese Rampen sind relativ platzsparend und somit gut transportabel. Erhältlich sind die Modelle in verschiedenen Maßen und Materialien.
  • Kofferrampen: Eine sogenannte Kofferrampe ist eine Rampe, welche durchgehend ist und meist in der Mitte gefaltet werden kann. Zudem befinden sich an der Seite praktische Griffe, sodass die Rampe gut transportiert werden kann. Die meisten Kofferrampen lassen sich klappen und sind dann in der Regel nicht größer als ein herkömmlicher Koffer.
  • Flächenrampen: Eine Flächenrampe besteht meist aus einem Stück oder kann auch gefaltet werden. Im Gegensatz zu Teleskoprampen ist die Auflagefläche größer und man kann mit dem Rollstuhl komfortabler die Rampe befahren. Je nach Modell sind Flächenrampen ebenfalls mobil zu transportieren. Hergestellt werden die Ausführungen aus unterschiedlichen Materialien.

Je nach Größe der Rampen lassen sich verschiedene Hindernisse damit überwinden. Die Ausstattung kann unterschiedlich sein. Viele der Rampen sind zusätzlich beschichtet, um mehr Grip zu erhalten.

Die Steigung: Wie lang muss die Rampe wirklich sein?

Wer im Internet nach der richtigen Rampenlänge sucht, stößt unweigerlich auf die gesetzliche DIN-Norm von 6 % Steigung. Das bedeutet: Für 10 cm Höhe brauchst du 1,60 Meter Rampe. Bei drei Stufen (50 cm Höhe) bräuchtest du eine utopische Rampenlänge von über 8 Metern! Das ist im privaten Raum weder bezahlbar noch transportabel.

Für mobile Rampen im Alltag gelten im echten Leben daher völlig andere Faustregeln, je nachdem, wer den Rollstuhl bewegt:

  • Selbstfahrer mit wenig Kraft: Max. 10 % Steigung (Höhendifferenz x 10 = Rampenlänge). Beispiel bei 20 cm Stufe: 2 Meter Rampe.
  • E-Rollstühle und starke Selbstfahrer: Max. 15 % Steigung (Höhendifferenz x 6,7 = Rampenlänge). Beispiel bei 20 cm Stufe: ca. 1,35 Meter Rampe.
  • Mit starker Hilfsperson (Schiebehilfe): Max. 20 % Steigung (Höhendifferenz x 5 = Rampenlänge). Beispiel bei 20 cm Stufe: 1 Meter Rampe.

Wichtig: Schau vor dem Kauf unbedingt in das Handbuch deines E-Rollstuhls. Die Hersteller geben dort exakt an, wie viel Prozent Steigung die Motoren und die Kippsicherungen deines Modells maximal schaffen!

Materialcheck: Aluminium vs. Carbon

Mobile Rollstuhlrampen werden von den Herstellern aus verschiedenen Materialien gefertigt. Generell werden an die Werkstoffe bestimmte Anforderungen gestellt. So sollen mobile Rollstuhlrampen einerseits robust und stabil sein. Auf der anderen Seite sollen diese aber ein möglichst geringes Eigengewicht haben.

In der Praxis haben sich beispielsweise Rampen aus Aluminium durchgesetzt. Dieser Werkstoff ist robust, langlebig und relativ leicht. Zudem ist Aluminium kosteneffizient zu beschaffen, weshalb heute viele Rampen aus Aluminium gefertigt sind.

Eine andere Möglichkeit ist die Fertigung aus Carbon. Eine Carbon-Rampe ist nochmals leichter als ein Modell aus Aluminium. Jedoch ist Carbon oft teurer in der Anschaffung. Der einzige Haken: Carbon-Modelle sind im Vergleich zu Aluminium ein extrem teures Premium-Produkt. Wenn du die Rampe jedoch mehrmals täglich im Auto verladen musst, schont jedes gesparte Gramm deinen Rücken.

Sicherheit: Rutschfeste Beläge & Aufkantungen

Neben den Materialien müssen die Rampen möglichst sicher gestaltet sein. Die Hersteller haben die Rampen im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt, sodass die heutigen Modelle in der Regel als sehr sicher gelten.

Eine Maßnahme, welche zur Sicherheit von Rampen beiträgt, sind sogenannte Aufkantungen. Diese sind speziell bei schmalen Teleskoprampen sinnvoll. Die Räder des Rollstuhls können zwischen die Aufkantungen geführt werden. Somit kann der Rollstuhl wie auf einer Art Schiene über die Rampe und somit sicher über das Hindernis gebracht werden. Es gibt aber auch Aufkantungen an den anderen Arten von Rampen.

Um Rampen noch sicherer zu gestalten, wird die Seite, welche mit dem Rollstuhl befahren wird, oft mit rutschfesten Belägen versehen. Somit kann beim Bremsen der Rollstuhl nicht wegrutschen und hat entsprechenden Grip. Besonders wichtig ist dies, wenn der Rollstuhl nach unten geschoben oder gerollt wird. Zudem sind rutschfeste Beläge auch für Hilfspersonen sinnvoll, da diese somit einen sicheren und festen Stand direkt hinter dem Rollstuhl haben.

Krankenkassen-Nummer: Wann die Kasse zahlt

Die gute Nachricht ist, dass Krankenkassen in der Regel die Kosten für eine Rollstuhlrampe übernehmen. Jedoch sind dafür einige Voraussetzungen nötig.

Zunächst muss eine Rollstuhlrampe, wie jedes Hilfsmittel, bei der Krankenkasse beantragt werden. Im Zweifelsfall kann es sein, dass zur Begutachtung der Notwendigkeit einer solchen Rollstuhlrampe der Medizinische Dienst (MD) eingeschaltet wird und einen Hausbesuch macht. Du musst dann vor Ort sachlich und logisch erklären können, wieso du auf eine eben solche Rollstuhlrampe angewiesen bist.

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist, dass deine gewünschte Rollstuhlrampe eine sogenannte Hilfsmittelnummer (HMV-Nummer) besitzt. Denn Krankenkassen übernehmen nur die Kosten von Hilfsmitteln, welche im Hilfsmittelverzeichnis gelistet sind. Rampen ohne eine solche Nummer werden nicht bewilligt. Du solltest also bereits im Voraus darauf achten, dass die Rampe eine Hilfsmittelnummer besitzt. Bekannte Hersteller haben ihre Produkte in der Regel angemeldet, sodass diese Modelle mit einer entsprechenden Nummer ausgestattet sind.

Fazit: Sicherheit geht vor Zentimeter-Feilschen

Eine mobile Rampe schenkt dir enorme Flexibilität – egal ob stationär an der eigenen Haustür oder zusammengeklappt im Kofferraum für den Besuch bei Freunden. Achte beim Kauf zwingend auf die Hilfsmittelnummer, damit dein Geldbeutel geschont bleibt, und wähle im Zweifel lieber die Rampe eine Nummer länger. Je flacher der Winkel, desto sicherer das Fahrgefühl.

Mein Tipp für den Start: Übe das Befahren einer neuen Rampe die ersten Male unbedingt mit einer Hilfsperson im Rücken. Das Gefühl, plötzlich in den Himmel oder steil nach unten zu blicken, ist anfangs gewöhnungsbedürftig.

Welche Rampe nutzt du im Alltag? Bist du mit Schienen oder einer breiten Flächenrampe glücklicher? Schreib mir deine Erfahrungen in die Kommentare!

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