türverbreiterung

Türverbreiterung im Bestand: Möglichkeiten, Kosten und die 90-cm-Regel

Vergattert im eigenen Wohnzimmer, weil die Badezimmertür zwei Zentimeter zu schmal ist: Für uns Rollstuhlfahrer werden Standard-Türen im Altbau im Alltag schnell zur unüberwindbaren Barriere. Blaue Flecken an den Knöcheln und zerkratzte Türzargen sind Dauerbegleiter, wenn das Wohnumfeld nicht passt. Doch wie breit muss eine Tür im Jahr 2026 wirklich sein, damit wir barrierefrei durchkommen? Welche rechtlichen Ansprüche hast du als Mieter gegenüber deinem Vermieter und wie holst du dir bis zu 4.000 Euro Zuschuss von der Pflegekasse? Dieser Ratgeber zeigt dir den Weg vom Nadelöhr zum barrierefreien Durchgang.

Wenn die Zimmertür zum Nadelöhr wird – Maße nach DIN 18040-2

Die Grundlage für eine Wohnung, welche ein Rollstuhlfahrer bewohnen soll, sind die Türen. Diese sollten eine gewisse Mindestbreite haben und ebenerdig zu befahren sein, also ohne Schwellen oder irgendwelche anderen Hindernisse. Der Gesetzgeber hat in diesem Zusammenhang eine entsprechende DIN-Norm geschaffen, in der unter anderem auch festgelegt wird, wie breit Türen für eine barrierefreie Wohnung sein sollten. Diese Breite beträgt 90 cm laut der DIN 18040-2.

Besonders Neubauten werden in der heutigen Zeit oft schon so gebaut, dass diese Türbreiten ohne Probleme eingehalten werden. So sind beispielsweise Behörden oder andere öffentliche Orte, welche neu gebaut oder modernisiert wurden, in der heutigen Zeit von Rollstuhlfahrern meist ohne Probleme zu befahren. Speziell dann, wenn du in eine Wohnung ziehen willst, wo das Haus entsprechend älter ist, gibt es in der heutigen Zeit noch immer oft Probleme. In diesem Fall sind Türbreiten von 70 oder 80 cm keine Seltenheit. Mit den meisten Rollstühlen sind Türen mit dieser Breite nur mit großer Mühe oder überhaupt nicht zu befahren.

Zum Glück ist es so, dass auch immer mehr ältere Häuser saniert werden und die Wohnungen den entsprechenden Anforderungen angepasst werden. In einer immer älter werdenden Gesellschaft ist dies zunehmend wichtiger, da es so in Zukunft immer mehr Menschen gibt, welche auf Hilfsmittel angewiesen sind. Speziell Rollstühle brauchen dann eben die erforderliche Türbreite, damit Rollstuhlfahrer sich uneingeschränkt in der Wohnung bewegen können.

Die schnelle Lösung: Versatzscharniere einbauen für mehr Breite

Wenn du nun bereits in einer Wohnung lebst, in der die Türen nicht ganz so breit sind wie eigentlich gedacht, dann gibt es einen Kniff, mit dem vielleicht die Alltagstauglichkeit im Rollstuhl dennoch hergestellt werden kann. Für diesen Fall solltest du aber zunächst unbedingt deinen Vermieter um Erlaubnis bitten. Ohne diese ist ein Umbau an der Wohnung selbst in der Regel nicht gestattet.

Wenn dir nur ein bis vier Zentimeter fehlen, um ohne Schrammen durchzukommen, gibt es einen genialen, minimalinvasiven Trick: Der Einbau von sogenannten Versatzscharnieren (auch Kröpfbänder genannt). Bei Standard-Türen ragt das geöffnete Türblatt immer ein Stück in den Durchgang hinein und stiehlt wertvollen Platz. Versatzscharniere verändern den Drehpunkt so, dass das Türblatt im geöffneten Zustand komplett außerhalb der Zarge steht. Die lichte Durchgangsbreite vergrößert sich sofort, ohne dass du die Wand anrühren musst. Da dieser Umbau komplett rückbaubar ist, stimmen Vermieter hierbei in der Regel extrem schnell und unkompliziert zu.

Bauliche Maßnahmen: Zargen entfernen und Statik-Check

Reichen Versatzscharniere nicht aus, muss der Presslufthammer ran, um das Mauerwerk zu verbreitern. Sitzt du in einer Mietwohnung, hast du laut § 554 BGB einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass der Vermieter dem barrierefreien Umbau zustimmt. Er darf deinen Antrag nur in ganz seltenen Ausnahmewünschen ablehnen (z. B. wenn die Statik des gesamten Hauses gefährdet wäre).

Aber Achtung – die Kostenfalle: Der Vermieter muss dem Umbau zwar zustimmen, er muss ihn aber nicht bezahlen. Zudem hat er das Recht, eine zusätzliche finanzielle Sicherheit (eine sogenannte Rückbau-Kaution) von dir zu verlangen. Damit sichert er sich ab, falls du irgendwann ausziehst und die Türen für den Nachmieter wieder in den Originalzustand versetzt werden müssen.

Bevor du größere Baumaßnahmen planst, ist es wichtig, die Statik zu prüfen, um entsprechende Schäden unbedingt zu verhindern. Wenn die Statik einen Umbau zulässt, dann kannst du die Zargen entfernen und die vorhandenen Mauerdurchbrüche vergrößern. Somit kannst du die Tür nun direkt in der Breite gestalten, wie du sie wirklich benötigst. Das ist der Vorteil. Der Nachteil bei dieser Variante ist ganz klar der Aufwand und die Dauer. Im Zweifelsfall sollte unbedingt ein Fachunternehmen beauftragt werden, welches die entsprechenden Arbeiten plant und danach dann auch ordnungsgemäß ausführt. Wenn ein solcher Umbau unternommen wird, ist es logisch, dass du möglichst lange in der Wohnung lebst. Ein solcher Umbau ist sonst nur wenig lohnenswert, speziell dann, wenn dieser Aufwand bei mehreren Türen in der Wohnung betrieben werden muss.

Barrierefreie Türsysteme: Schiebetüren vs. Raumspartüren

Neben den herkömmlichen Türen gibt es aber auch noch andere Türsysteme, welche barrierefrei und zum Teil auch platzsparend installiert werden können. Im Folgenden möchte ich dir deshalb die beliebtesten Systeme kurz vorstellen.

Eine Möglichkeit, welche barrierefrei ist, sind sogenannte Raumspartüren. Diese sind immer dann anzutreffen, wenn bei der Türöffnung wenig Platz vorhanden ist. Mittels einer Art Gelenk lässt sich die Türbreite etwas minimieren, sodass weniger Platz benötigt wird beim Öffnen der Tür. Die Türbreite kann dann auf die geforderten 90 cm gebracht werden. Beim ersten Betätigen solcher Türen ist etwas Übung empfehlenswert, da es einfach ungewohnt ist, dass sich eine Tür quasi faltet. Zudem ist zu beachten, dass durch den Faltmechanismus zusätzlich Platz verloren geht, sodass die Türöffnung noch breiter als 90 cm sein muss. Speziell für kleine Wohnverhältnisse ist dies eher ungeeignet. Eine andere Möglichkeit ist eine klassische Schiebetür. Diese kann direkt in oder auf der Wand geschoben werden und somit relativ platzsparend genutzt werden. Die Handhabung an sich ist ebenfalls denkbar einfach. Ich persönlich habe mit Schiebetüren gute Erfahrungen gemacht.

Finanzierung: So beantragst du Zuschüsse für den Umbau

Wenn in einer Wohnung mehrere Türzargen herausgerissen, die Durchbrüche vergrößert und neue Türen eingesetzt werden müssen, landen die Handwerkerrechnungen schnell im mittleren vierstelligen Bereich. Liegt bei dir mindestens Pflegegrad 1 vor, ist die Pflegekasse deine wichtigste Anlaufstelle. Sie schießt im Rahmen der „Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes“ bis zu 4.000 Euro zum Umbau dazu.

Wichtig für die Budgetplanung: Dieser Zuschuss ist grundsätzlich eine Einmalzahlung für alle Maßnahmen, die zu diesem Zeitpunkt notwendig sind. Du kannst die 4.000 Euro also nicht dieses Jahr für die Küchentür und nächstes Jahr einfach nochmal für die Schlafzimmertür beantragen. Ein neuer Anspruch auf weitere 4.000 Euro entsteht erst dann, wenn sich deine Pflegesituation nachweislich so stark verändert hat (z. B. durch eine Verschlechterung der Erkrankung), dass ein völlig neuer Umbaubedarf entsteht. Hol dir vor dem Umbau zwingend zwei Kostenvoranschläge ein und reiche sie zusammen mit dem Antrag bei der Pflegekasse ein – erst nach der schriftlichen Zusage dürfen die Handwerker starten!

Fazit & Planungshilfe: Schritt-für-Schritt zum Durchgang

Lass dich von schmalen Türen nicht in deiner eigenen Wohnung einschränken! Dokumentiere die Engstellen mit dem Zollstock, sprich frühzeitig und schriftlich mit deinem Vermieter und nutze den finanziellen Puffer der Pflegekasse. Oft bewirken schon kleine Kniffe wie Versatzscharniere oder eine moderne Schiebetür wahre Wunder, ohne dass gleich die ganze Wand weichen muss.

Wie sieht es in deinen vier Wänden aus? Musstest du schon Türen verbreitern lassen oder hast du clevere Raumspartüren im Einsatz? Schreib mir deine Erfahrungen und Tipps unbedingt in die Kommentare!

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